Motivation

Schreibrituale und Co

Es ist gar nicht so einfach, jeden Tag zu schreiben. Manchmal ist man einfach nicht in der Stimmung dazu (z. B. nach einem schlechten / anstrengenden Tag), manchmal fehlt einem vielleicht (gefühlt) die Zeit und überhaupt: ein, zwei Sätze zu schreiben mag einfach klingen, aber auch das scheint ein unüberwindbares Hindernis zu sein, wenn man sich ausgelaugt oder angespannt fühlt.

Gerne finde ich für mich Ausreden: XY war wichtiger, ich hatte halt keine Zeit!

Aber es muss doch irgendwie gehen! Andere Aufgaben erledigt man doch auch täglich und es funktioniert. Ich erinnere da nur an die unliebsamen Hausaufgaben als Kind.

Mir hat bei den Hausaufgaben als Kind die feste Struktur geholfen. Es war ein Ritual / eine Gewohnheit: Ich komme von der Schule Heim, es gibt Essen und dann werden die Hausaufgaben gemacht.
Ich hatte mich so an diesen Ablauf gewöhnt, dass es für mich selbstverständlich war, dass ich die Hausaufgaben sofort erledigt habe.

Oder wie ist das mit der Schlafenszeit? Mama und Papa lesen den Kleinen eine Geschichte vor, es gibt den Gute-Nacht-Kuss und dann wird geschlafen.

Um das Schreiben zu so einer Selbstverständlichkeit im eigenen Alltag zu machen, ist es ersteinmal nötig, dass du dir feste Ziele setzt.
Wieso möchtest du regelmäßig schreiben? (die eigene Motivation abklären, um am Ball zu bleiben)
Wie soll sich das regelmäßige Schreiben äußern? (täglich, wöchentlich, bestimmte Anzahl von Sätzen / Worten, …)

Die Motivation ist wichtig, um durchzuhalten. Um eine Gewohnheit zu festigen, muss man sie nämlich etwa 2-3 Monate regelmäßig tun. Bis dahin heißt es: Konsequent am Ball bleiben.

Es geht aber noch weiter!
Bestimmt hast du schon von dem Pawlowschen Hund gehört. Glocke = Futter = Speichelfluss wurde zu Glocke = Speichelfluss durch eine einfache Konditionierung.

(Natürlich ist es im Grunde beim Menschen und beim Schreiben, das kein natürlicher Reflex ist, etwas schwieriger, als beim Hund und dem Speichelfluss, aber ich denke, es ist ein gutes Beispiel um des Pudels Kern vereinfacht zu erklären)

Um sich künftig ohne Schwierigkeiten selbst in Schreiblaune zu versetzen, sind daher begleitende Reize sinnvoll, die dem Gehirn vermitteln „Jetzt geht’s nur ums Schreiben“.

Welche Reize können helfen?

  • ORT: ein fester Schreibplatz, z. B. am Schreibtisch, im Wintergarten oder in einem Café
  • UHRZEIT: ein täglicher oder wöchentlicher fester Termin, zu dem immer geschrieben wird
  • VERPFLEGUNG: ein hinführendes oder begleitendes Getränk, z. B. eine bestimmte Teesorte oder eine heiße Schokolade; natürlich geht auch eine besondere Süßigkeit o. ä.
  • GERÜCHE: z. B. eine Duftkerze, bestimmtes Obst oder der Duft der Teesorte, die immer zum Schreiben verwendet wird
  • KLÄNGE: Musik oder Geräusche („Klänge des Waldes“, u.ä.), duch die ersten Akkorde eines Musikstückes kann später gleich die Schreiblust ausgelöst werden
  • FÜHLEN: z. B. durch vorhergehende Entspannungskur oder gleichbleibenden „Schreibpulli“, in den man sich kuscheln kann o. ä.

Es gibt bestimmt noch mehr Reize, die man nutzen kann. Ich würde mir einen Reiz aussuchen und damit beginnen. Den wenn es zu viele Reize sind, dann fällt es schwer immer die korrekte Kombination zur Hand zu haben.

Übrigens heißt der Aufbau einer solchen Gewohnheit nicht, dass man z. B. nur noch im eigenen Wintergarten an seinen Romanprojekten arbeiten kann. Aber durch die aufgebaute Konditionierung wird es leichter, mit dem Schreiben anzufangen.
(Der Pawlowsche Hund hat nach der Konditionierung auch dann Speichelfluss, wenn es keine Glocke gibt.)

Die ersten Monate ist es jedoch wichtig, genau die Reize einzuhalten, um sich selbst entsprechend zu Konditionieren. Denn sonst wird es nicht gelingen, die Schreibstimmung von Jetzt auf Gleich aufzubauen, was die Folge einer erfolgreichen Schreibkonditionierung sein wird.

Und wenn du fleißig daran arbeitest, wird ein Ort, ein Musikstück oder ein Duft sofort dafür sorgen, dass du Lust hast an deinem Roman zu arbeiten.

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